Das VTT Technical Research Center of Finland hat zusammen mit dem Energieunternehmen Fortum, dem Ingenieurbüro Metso und dem Forstunternehmen UPM ein Verfahren entwickelt, mit dem Heizenergie und Bioöl im selben Kraftwerk kostengünstig und nachhaltig in Kraft gesetzt werden können. Die VTT-Technik basiert auf der Kombination von Pyrolyse- und Wirbelschichttechnologie. Dank der neuen Technik ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem deutlichen Anstieg der Bioölproduktion zu rechnen. VTT erhielt einen Innovationspreis für die neue Technologie. Der Preis wurde im Dezember von der Europäischen Vereinigung für Forschungs- und Technologieorganisationen EARTO vergeben.

"Der Innovationspreis knüpft an die langfristige Arbeit von VTT zur Entwicklung erneuerbarer Energiequellen an. EARTO möchte Innovationen auszeichnen, die erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen haben. Der Preis zeigt, dass wir bei dieser Arbeit erfolgreich waren", sagt Anne- Christine Ritschkoff, Executive Vice President, Strategic Research, VTT.

Bioöl gilt seit langem als Nachfolger fossiler Brennstoffe als zukünftige Energiequelle. Die großtechnische kommerzielle Verwendung von Bioöl bei der Wärmeerzeugung erfordert jedoch eine kostengünstige Produktionstechnik. Die von VTT patentierte neue Technik ermöglicht eine erhebliche Senkung der Produktionskosten von Bioöl.

Bei der schnellen Pyrolyse wird Biomasse wie z. B. Abfälle aus der Forstindustrie auf eine hohe Temperatur erhitzt, um Gas zu bilden. Wenn das Gas abgekühlt wird, kondensiert es zu einer Flüssigkeit, die als Bioöl bekannt ist. Die Kombination des Pyrolyseprozesses mit herkömmlichen Wirbelschichtkesseln in Kraftwerken bringt eine Reihe von Effizienzgewinnen. Die Herstellung von Bioöl mit der neuen Technik ist billiger als in einem separaten Pyrolyseprozess. In Kraftwerke integrierte Bioölanlagen sind äußerst energieeffizient, da die in den Nebenprodukten des Pyrolyseprozesses enthaltene Energie in Wirbelschichtkesseln zurückgewonnen werden kann. Dies ist eine erhebliche Verbesserung, da die Nebenprodukte bis zu 40 Prozent der Energie der ursprünglichen Biomasse enthalten können. Verlustwärme aus dem Kraftwerk kann wiederum für die Herstellung von Bioöl genutzt werden. Die Kraft-Wärme-Kopplung bietet einen höheren Wirkungsgrad als die getrennte Produktion, und die Investitions- und Betriebskosten der Anlage sind niedriger als bei der getrennten Produktion. Die Verwendung von Bioöl hat erhebliche positive Auswirkungen auf die Umwelt. Durch den Ersatz fossiler Brennstoffe durch Bioöl bei der Wärmeerzeugung können die Kohlendioxidemissionen um 70 Prozent gesenkt werden. Auch die Schwefelemissionen sind erheblich geringer.

Die Technik soll gegen Ende 2013 in die kommerzielle Produktion gehen, wenn das Energieunternehmen Fortum sein neues integriertes Bioöl- und Heizkraftwerk im finnischen Joensuu eröffnet. Die Anlage soll jährlich 50.000 Tonnen Bioöl produzieren. Das Volumen reicht aus, um den jährlichen Wärmebedarf von durchschnittlich 24.000 Häusern zu decken.

VTT beteiligt sich an europäischen Normungsarbeiten zur Förderung der Kommerzialisierung der Innovation. Derzeit gibt es in Europa und Nordamerika rund 200 Kraftwerke, die auf eine Bioölanlage umgerüstet werden könnten. Dies würde beispielsweise mehr als 10.000 neue Arbeitsplätze in der Forst- und Logistikbranche bedeuten.

Zur Verfügung gestellt vom VTT Technical Research Center of Finland