Faserarchitektur der weißen Substanz des Gehirns. Bildnachweis: Human Connectome Project.

Ein Forscherteam der University of Queensland hat Hinweise darauf gefunden, dass Gehirnhemisphären von Säugetieren lange vor der Entwicklung des Corpus callosum kommunizieren konnten. In ihrem Artikel, der in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, beschreibt die Gruppe Gehirnstudien an Säugetieren, die sie mit MRT durchgeführt haben, und was sie gefunden haben.

Das Corpus callosum ist die größte Masse weißer Substanz im menschlichen Gehirn. Sie soll als Brücke zwischen den beiden Hemisphären dienen und eine schnelle und reibungslose Kommunikation zwischen beiden ermöglichen. Alle plazentaren Säugetiere haben ein Corpus callosum, die anderen beiden Hauptgruppen der Säugetiere jedoch aus irgendeinem Grund nicht. Anstelle eines Corpus callosum haben Beuteltiere (Beutelsäugetiere) und Monotreme (eierlegende Säugetiere) ein einfaches Netzwerk von Nervenfasern, die ihre Gehirnhälften verbinden. In diesem neuen Versuch fragten sich die Forscher, ob die Nervenfasernetzwerke vor der Entwicklung des Corpus callosum einmal in Plazenta vorkamen. Um mehr über diese Möglichkeit zu erfahren, untersuchten die Forscher das Nervenfasernetz eines Dickschwanzdunnarts (eines Beuteltiers) und eines Schnabeltiers (eines Monotrems) mithilfe von MRT-Untersuchungen.

Die Forscher fanden Muster in den Scans, die an das Corpus callosum sowohl im Beuteltiergehirn als auch im Monotremgehirn erinnern. Zu den Mustern gehörten Verbindungen zwischen Hemisphären mit großer Reichweite, was nach Ansicht der Forscher ähnliche Funktionen nahelegt. Sie behaupten, dies sei ein möglicher Beweis dafür, dass sich der Corpus callosum nicht unabhängig entwickelt habe, sondern aufgrund der kontinuierlichen Entwicklung der Nervenfasernetzwerke, die alle drei Säugetiertypen einst gemeinsam hatten.

Die Forscher schlagen auch vor, dass ihre Ergebnisse darauf hindeuten, dass das Gehirn von Säugetieren sehr spezielle Verbindungstypen benötigt, um eine ordnungsgemäße Kommunikation zwischen den Hemisphären zu ermöglichen. Die Studie zeigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nervenfasernetzwerke etwa 80 Millionen Jahre vor der Entwicklung des Corpus callosum entwickelten. Das Team schließt mit dem Hinweis, dass sich ihre Erkenntnisse für die Forschung in anderen Bereichen als wertvoll erweisen könnten, beispielsweise für Studien an Menschen mit abnormalen Hirnverbindungsproblemen.