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Ein Forscherteam, das mit mehreren Einrichtungen in den USA zusammenarbeitet, hat genomweite Unterschiede in der Genexpression zwischen männlichen und weiblichen Säugetieren entdeckt. In ihrem in der Fachzeitschrift Science veröffentlichten Artikel beschreibt die Gruppe ihre RNA-Sequenzierungsstudien bei verschiedenen Säugetiertypen und was sie gefunden haben.

Physiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern von Säugetieren sind häufig leicht zu erkennen. Zusätzlich zu den an der Fortpflanzung beteiligten Organen gibt es Skelett- und Gesichtshaarunterschiede sowie Höhenunterschiede. Frühere Forschungen und anekdotische Beweise haben ebenfalls gezeigt, dass es einige Unterschiede in der Funktionsweise des Gehirns geben kann. Aber was ist mit Variationen in der Genexpression? Die Forscher in diesem neuen Projekt berichten, dass in diesem Bereich nur sehr wenig Forschung betrieben wurde, was ein Problem darstellt. Jüngste Studien haben gezeigt, dass es viele geschlechtsspezifische Gesundheitsprobleme gibt. Beispielsweise leiden Frauen häufiger an Autoimmunerkrankungen. Und Männer entwickeln mit größerer Wahrscheinlichkeit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Um zu verstehen, warum solche Unterschiede bestehen, müssen Mediziner geschlechtsspezifische Unterschiede im Genom besser verstehen. Um mehr über die geschlechtsspezifische Genexpression zu erfahren, sequenzierten die Forscher die RNA beider Geschlechter von vier nicht-menschlichen Säugetieren: Ratten, Mäuse, Makaken und Hunde. Im Rahmen ihrer Bemühungen testeten sie bei jedem Tier verschiedene Gewebe, um sicherzustellen, dass jede Keimschicht vertreten war. Sie sequenzierten auch Gewebe aus allen prominentesten Organen. Anschließend verglichen sie das Ergebnis mit ähnlichen Daten, die von menschlichen Probanden in der Datenbank des Genotype Tissue Expression Consortium gesammelt wurden.

Die Forscher fanden Beispiele für Hunderte von konservierten geschlechtsspezifischen Genexpressionen in jedem Gewebe. Als nur ein Beispiel fanden sie heraus, dass 12 Prozent der geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf die durchschnittliche Körpergröße beim Menschen auf eine konservierte geschlechtsspezifische Genexpression zurückzuführen sind. Sie stellen fest, dass solche Ergebnisse von Bedeutung sind, da sie belegen, dass geschlechtsspezifische Abweichungen in der Genexpression direkt zu Unterschieden in den Merkmalen führen können.

Die Forscher fanden auch Hinweise darauf, dass solche geschlechtsspezifischen Genexpressionen, evolutionär gesehen, vor relativ kurzer Zeit auftraten. Sie legen nahe, dass diese Erkenntnis darauf hinweist, dass Forscher diesen Unterschieden besondere Aufmerksamkeit widmen müssen, wenn sie nichtmenschliche Modelle zur Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede beim Menschen verwenden.